Drabble – 100 Wörter

Herangehensweise zu Drabbles:
• Genau 100 Wörter → fördert Präzision und bewusste Wortwahl
• Klarer Fokus → ein Moment, ein Gefühl oder eine Szene
• Keine Abschweifungen → alles Überflüssige wird gestrichen



Di 15. Juli 2025


Ist da was? Mir schien, als hätte sich da etwas bewegt. Da, neben einem braunen Blatt zwischen den Walderdbeerblättern. Ich bewege mich näher hin und entdecke eine Zikade im gleich braunen Farbton wie das verwitternde Herbstblatt.

Blaue Beeren am Wegrand! Ich rätsle kurz und erinnere mich an den Namen: Kratzbeere. Auch bekannt unter dem Namen Ackerbeere oder bereifte Brombeere. Die Kratzbeere gehört zur Gattung der Brombeeren.

Allerdings ist mir diese Beere so wenig vertraut, dass ich sie nicht essen mag, obwohl sie essbare, leicht süße Früchte trägt. Lieber greife ich zu den Walderdbeeren, die mir an sonnenbeschienen Stellen entgegen leuchten.

Mi 16. Juli 2025

Auf einem Häufchen Exkrementen am Wegesrand tummelt sich ein dicker schwarzblauer Mistkäfer. Halbkugelig, sodass er mich scherzhaft an einem VW-Köfer mit Beinen erinnert.

Zartes Piepsen von Vogelstimmen veranlasst mich, mich umzudrehen. An einer Fichte sehe ich Kohlmeisen, die an den Zweigen picken. Ich bemerke zudem einen Mittelspecht, der sich aus dem Astwerk erhebt und auf einer jungen Weißbuche, die seit Jahren unter dem Schirm einer Eiche gedeiht, landet. So nahe, dass ich ihn beobachten kann, wie er nach Futter pickt und auf dem Astwerk turnt. Es gelingt mir sogar, ein Handyvideo vom Specht aufzunehmen, während Stieglitze fröhlich plaudern als „Vogelstimmenbegleitmusik“.

So 9. Feb. 2026

Nebelfeuchtes Wetter und zwei Grad über Null, ideales Wetter für Moos. Zwischen der braunen Laubschicht des Winters leuchtet mir das Moos ins sattgrüner Farbe entgegen. Kiwigrün, moosgrün, maigrün. Wächst am Asphaltwulst des Straßenrands, auf Baumwurzeln, die sich über die Erde schlängeln, auf Gestein, Baumstämmen und Baumstümpfen. Entlang meines Spazierwegs wächst an vielen Stellen Moos. Unterschiedliche Arten wie Frauenhaarmoos, Schiefmundmuschelmoos, Hundszahnmoos, Sternmoos und das Tamarisken-Thujen Moos, das drei bis fünf Zentimeter hoch wird und mich an kleine Tannenbäumchen erinnert. Ob seines aufrechten Wuchses und der Schönheit, eines meiner Lieblingsmoose. An manchen Stellen wachsen mehrere Arten von Moos und bilden dabei eine Moosgemeinschaft.

So 01. März 2026

Sonntagswetter mit blauem Himmel und zehn Grad am Vormittag. Der erste Tagfalter fliegt! Ich sehe über der Brombeerhecke einen leuchtend gelbgrünen Zitronenfalter, was mir verrät, dass es sich um ein Männchen handelt.

Drei Minuten lasse ich die Handy-Vogel-App mitlaufen. Dabei erfahre ich von drei neuen Vogelarten. Bluthänfling, Grauspecht und Nebelkrähe, deren Laut mir weicher erscheint als das kraftvolle „krah“ der Rabenkrähe.

Im Geäst eines Ahorns flattern zwei Buntspechte. So nahe, dass ich die beiden Geschlechter unterscheiden kann. Das Männchen trägt einen roten Nackenfleck, das Weibchen ist dort schwarz gezeichnet. Immer wieder rufen die beiden Buntspechte ein kurzer, helles, scharfes „kix“.

Mo 02. März 2026

Der Himmel hält sich heute bedeckt. Keine Spur von Lichtblau oder von meinem geliebten Azurblau. War bis gestern vereinzelt die Misteldrossel zu hören, so feiere ich mit dem heutigen Tag die Rückkehr der Singdrossel. Mit ihrer ausdauernden Gesangskunst kann ich die Melodien auf der halben Wegstrecke meines Spazierens hören.

In der großen Linde hat ein Buchfink Platz genommen und trällert melodiös übers Land. Auch ihn kann ich lange Zeit singen hören.

Zwischen den feuchtgrünen Moospolstern und braunem Laub leuchtet mir etwas Violettblaues entgegen. Die erste offene Blüte eines Leberblümchens! Die meisten Blüten stehen aber erst als Knospen halboffen im Laub.