Das Dirndltal liegt im Voralpengebiet. Seine Landschaft ist geprägt von Bergen und Tälern. Sie erscheint mir wie das menschliche Leben mit seinen Höhen und Tiefen.
Auf Bergrücken und Gipfeln finden sich herrliche Aussichtspunkte, doch das Dirndtal zeigt auch schwer begehbare Schluchten, in denen Gefahren lauern. Ich kenne gemütliche Wege, die sich durch die Landschaft schlängeln, ebenso wie unwirtliche Gegenden, in denen ich mich als unerfahren wandernde Person verirren kann.
Die Pielach und klare Bäche ziehen durch das Tal. Daneben liegen trübe Tümpel, naturbelassen und ungeschönt. Sie mögen auf den ersten Blick wenig einladend wirken, doch sie bieten zahlreichen Lebewesen einen Lebensraum und sind reich an Nährstoffen. Amphibien, Insektenlarven, Weinbergschnecken und zahlreiche Mikroorganismen finden hier ihren Platz. Was trüb erscheint, ist keineswegs leblos. Manchmal verbirgt sich gerade dort ein besonderer Reichtum.
Nicht jeder Weg meines Lebens führt auf einen Gipfel. Manchmal verliere ich mich in Schluchten, manchmal gerate ich auf verschlungene Pfade, auf denen ich Mühe habe, wieder herauszufinden.
In solchen Situationen nütze ich das Schreiben, um Klarheit darüber zu gewinnen, wie mein Weg weitergehen könnte. So finde ich Kraft für die nächsten Schritte. Im Rückblick erkenne ich oft, wie sehr mir das Schreiben neue Perspektiven eröffnet und zur Lebensquelle wird. Und nicht jedes Lebensjahr muss klar und glitzernd sein. Auch in trüb erscheinenden Jahren pulsiert Leben.